Es gibt in der Gemeinde Sonnen wahrscheinlich keinen anderen, der die Entwicklung des Wetters in den letzten Jahrzehnten so genau verfolgt hat, wie Hannelore Ledermüller. Denn seit 25 Jahren ist sie als ehrenamtliche Wetterbeobachterin für den Deutschen Wetterdienst (DWD) tätig. Für diese langjährige Tätigkeit wurde ihr nun bei einer Feierstunde durch Detlef Aßmann im Auftrag des Bundesministers für Verkehr die Wetterdienstplakette verliehen.
Seit 2001 beobachte Hannelore Ledermüller das Wetter in Sonnen, sagte Detlef Aßmann, der Leiter Regionales Standortmanagement Süd des DWD in München, bei der Feierstunde im Sunninger Rathaus. Sie sei damit eine von rund 1750 ehrenamtlichen Wetterbeobachtern, die die Messstationen des Deutschen Wetterdienstes betreuten. Er würdigte in seinen Dankesworten, die er auch im Namen der Präsidentin des DWD überbrachte, die Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft der Geehrten. In den letzten 25 Jahren hat sich aber auch die Wetterbeobachtung verändert. Bis 2011 hat Hannelore Ledermüller das Wetter täglich beobachtet, notiert und jeden Tag den Niederschlag oder die Schneehöhe ermittelt. Diese Wetterbeobachtungen umfassten auch die Dokumentation von Gewittern und Hagelschauern im Sommer oder dem winterlichen Schneetreiben.
Eine automatische Messstation zur Niederschlagsmessung hat im Jahr 2012 einen großen Teil dieser Aufgaben übernommen. Trotz der Automatisierung seien, so Aßmann, auch heute die ehrenamtlichen Wetterbeobachter ein wichtiges Glied in der Kette zur Erfassung von Wetterdaten. Denn sie betreuten die Messstationen und sorgten so für einen reibungslosen Betrieb. Und trotz aller Technik werden einige Daten auch heute noch klassisch „per Hand“ ermittelt. In Sonnen ist das die Schneehöhe, die Hannelore Ledermüller in den Wintermonaten misst. Bis vor zwei Jahren gehörte dazu auch die Messung des Wassergehalts der Schneedecke. Mit ihrer Tätigkeit leistet Hannelore Ledermüller einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Wettervorhersage und der Klimaüberwachung. Davon profitieren die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und auch in Sonnen. „Denn die Auswirkungen des Wetters und Klimas betreffen jeden von uns“, wie Detlef Aßmann beim Gespräch im Sitzungssaal des Sunninger Rathauses heraushob.
Im Übrigen war es Altbürgermeister Matthias Anetzberger, durch den Hannelore Ledermüller zur ehrenamtlichen Wetterbeobachtung gekommen ist. Denn er war auf der Suche nach jemanden in der Gemeinde, der die Betreuung der Wetterstation übernehmen möchte. Und bei Hannelore Ledermüller war er damals auf offene Ohren gestoßen. Denn auch das Grundstück in Binderhügel war passend für die Messstation. Damit wird die Dokumentation der Wetterdaten in Sonnen weitergeführt. Denn nach Auskunft des DWD gibt es bereits seit circa 1933 eine Wetterstation in Sonnen, wie aus den Archivunterlagen des Deutschen Wetterdienstes hervorgeht. Auch Bürgermeister Klaus Weidinger bedankte sich für das ehrenamtliche Engagement bei Hannelore Ledermüller. Da die Gemeinde Sonnen auch für die Wasserversorgung zuständig ist, sind die Niederschlagsmengen, die an der Messstation von Hannelore Ledermüller in Sonnen ermittelt werden, auch wichtige Daten für die Planungen der Wasserversorgung in der Gemeinde.
Damit eine lückenlose Dokumentation der Wetterdaten möglich ist, werden die Wetterbeobachter oft von Familienmitgliedern unterstützt, so dass es auch eine Teamarbeit ist. Wie zuvor bereits Detlef Aßmann, bat auch Sonnens Bürgermeister darum, den Dank für die Unterstützung weiterzugeben.
Stichwort: Wetterbeobachter des DWDDer Deutsche Wetterdienst betreibt in ganz Deutschland ein flächendeckendes Mess- und Beobachtungsnetz mit über 1900 Messstellen. Dazu gehören rund 180 hauptamtliche Wetterstationen, die inzwischen alle automatisiert sind. Etwa 1750 weitere Messstellen des DWD werden ehrenamtlich von engagierten Bürgerinnen und Bürgern - häufig seit Jahrzehnten - betreut. Die vor Ort gemessenen Daten und die Beobachtungen werden vom nationalen Wetterdienst dann zum Beispiel für die Wettervorhersage oder Gutachten bei Wetterschäden genutzt. Sie helfen aber auch, den Klimawandel in Deutschland genau zu erfassen und deren Folgen besser einschätzen zu können.
Zu den Voraussetzungen für die Übernahme dieser verantwortungsvollen Tätigkeit gehören nicht nur Einsatzbereitschaft und die erforderliche Zeit, sondern auch ein geeignetes Grundstück, auf dem die Messgeräte des DWD gemäß internationalen Vereinbarungen und in ausreichendem Abstand zu Gebäuden und Bewuchs aufgestellt werden können. Kosten entstehen ehrenamtlichen Beobachtern weder durch den Aufbau noch durch den Betrieb der Station.
Foto/Bericht: Christoph Hauzeneder